Häufige Fragen

  • Mit wem spreche ich am Hilfetelefon?

    Unsere Beraterinnen und Berater am Hilfetelefon Sexueller Missbrauch sind psychologisch und pädagogisch ausgebildet. Sie verfügen über jahrelange Erfahrung in der Beratung und Begleitung von Menschen, die sexuellen Missbrauch erlebt haben, damit konfrontiert werden oder sich um ein Kind Sorgen machen.

  • Muss ich meinen Namen nennen, wenn ich anrufe?

    Nein. Sie müssen am Hilfetelefon nicht Ihren Namen nennen. Sie müssen auch nicht sagen, wo Sie wohnen. Wenn Sie uns Ihren Namen oder Wohnort nennen, gehen wir vertraulich damit um. Das heißt: Wir geben Ihre Daten nicht weiter.

  • Sehen die Fachkräfte am Hilfetelefon meine Telefonnummer?

    Nein. Unsere Fachkräfte am Hilfetelefon sehen Ihre Telefonnummer nicht. Ihre Telefonnummer ist geschützt.

  • Kann ich das Hilfetelefon aus dem Ausland anrufen?

    Das Hilfetelefon ist eine 0800-Rufnummer. Die 0800-Rufnummern sind nationale kostenfreie Rufnummern. Sie können das Hilfetelefon daher nicht aus dem Ausland anrufen.

  • Ist das Hilfetelefon immer erreichbar?

    Das Hilfetelefon ist an fünf Tagen in der Woche erreichbar. Die Telefonzeiten sind immer montags, mittwochs und freitags von 9 bis 14 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 15 bis 20 Uhr.

  • Mit welchen Fragen und Problemen kann ich beim Hilfetelefon anrufen?

    Sie können sich an das Hilfetelefon wenden,

    1. wenn Sie ein komisches Gefühl haben und sich um ein Mädchen oder einen Jungen Sorgen machen.
    2. wenn Sie den konkreten Verdacht haben, dass ein Mädchen oder Junge sexuell missbraucht wird.
    3. wenn Sie einem betroffenen Mädchen oder Jungen helfen wollen und hierfür Informationen benötigen.
    4. wenn Sie über eine Situation sprechen wollen, die Sie sehr belastet.
    5. wenn Sie selbst von sexuellem Missbrauch in Ihrer Kindheit oder Jugend betroffen sind und Unterstützung suchen.
    6. wenn Sie allgemeine Fragen zum Thema haben.

  • Wie kann mir das Hilfetelefon weiterhelfen?

    Die Fachkraft am Hilfetelefon gibt Ihnen Zeit zu erzählen.

    Sie hört Ihnen zu und fragt nach, wenn etwas unklar ist. Diese Nachfragen sind wichtig, damit die Fachkraft am Telefon die Situation besser verstehen und einschätzen kann.

    Sie haben im Gespräch Zeit, alle Informationen zusammen mit der Fachkraft zu sortieren und zu überlegen, was Sie als nächstes tun wollen und können. Die Fachkraft gibt Ihnen Hinweise und Tipps, wie Sie weiter vorgehen können. Wenn Sie das möchten, nennt Ihnen die Fachkraft auch passende Unterstützungsmöglichkeiten in Ihrer Nähe für alle weiteren Schritte. Und sie gibt Ihnen eine Einschätzung zur Situation des Mädchens oder Jungen, wenn Sie einen Verdacht auf sexuellen Missbrauch haben.

  • Gibt das Hilfetelefon Informationen weiter – zum Beispiel an die Polizei?

    Nein. Die Fachkraft am Hilfetelefon gibt keine Informationen weiter. Die Beratung ist vertraulich und anonym.

    Ziel der Beratung am Hilfetelefon ist, dass Sie sich sicherer fühlen im Umgang mit der Situation und wissen, was Sie zum Schutz des möglicherweise betroffenen Mädchens oder Jungen tun können. Die Fachkraft am Hilfetelefon gibt Ihnen Hinweise, wie Sie selbst weiter vorgehen können.

  • Schaltet sich das Hilfetelefon in Fälle ein?

    Nein. Die Fachkraft am Hilfetelefon schaltet sich nicht in Fälle ein.

    Es gibt eine Ausnahme: Bei akuter Gefährdung einer Person (z. B. wenn jemand ankündigt, sich selbst zu töten) darf das Hilfetelefon zum Schutz der Person Informationen weitergeben, die sich aus dem Gespräch ergeben haben.

  • Was ist sexueller Missbrauch?

    Sexueller Missbrauch ist jede sexuelle Handlung von Erwachsenen oder Jugendlichen an oder vor einem Mädchen oder Jungen. Viele Menschen sagen dazu auch sexuelle Gewalt. Denn sexueller Missbrauch ist eine Form von Gewalt.

    Sexueller Missbrauch findet entweder gegen den Willen von Mädchen und Jungen oder ohne die wissentliche Zustimmung von Mädchen und Jungen statt. Das heißt konkret: Die betroffenen Mädchen und Jungen können nicht zustimmen, weil sie dem Täter oder der Täterin körperlich, seelisch, geistig oder sprachlich unterlegen sind. Die Täter und Täterinnen nutzen dabei ihre Macht gegenüber Kindern und Jugendlichen aus.

    Sexuelle Handlungen an Mädchen und Jungen unter 14 Jahren sind immer sexuelle Gewalt – auch wenn die Mädchen und Jungen sagen, dass sie damit einverstanden sind. Warum? Forscherinnen und Forscher gehen davon aus, dass Mädchen und Jungen unter 14 Jahren sexuellen Handlungen grundsätzlich nicht zustimmen können.

  • Wo beginnt sexueller Missbrauch?

    Viele Handlungen sind sexuelle Gewalt. Nicht alle diese Handlungen sind strafbar. Das heißt: Nicht alle diese Handlungen sind auch verboten.

    Wichtig ist aber: Auch wenn Handlungen nicht verboten sind, können Mädchen und Jungen darunter sehr leiden.

    Sexuelle Gewalt beginnt bei sexuellen Übergriffen. Sexuelle Übergriffe sind in der Regel nicht strafbar. Sexuelle Übergriffe sind zum Beispiel:

    1. Eine Person belästigt oder beleidigt ein Mädchen oder Jungen durch sexualisierte Worte.
    2. Eine Person beobachtet ein Mädchen oder Jungen ganz genau und blickt dabei zum Beispiel gezielt auf den Intimbereich, den Po oder die Brust.
    3. Eine Person berührt ein Mädchen oder einen Jungen flüchtig über der Kleidung zum Beispiel im Intimbereich oder an der Brust. Macht die Person das aus Versehen, sprechen wir von einer Grenzverletzung. Dann ist es wichtig, dass die Person das Mädchen oder den Jungen um Entschuldigung bittet.

  • Welche Formen sexuellen Missbrauchs sind strafbar?

    Strafbar sind folgende Handlungen:

    1. Eine Person gibt einem Mädchen oder Jungen Zungenküsse.
    2. Eine Person führt sexuelle Handlungen am Körper des Mädchens oder des Jungen aus.
    3. Eine Person lässt sich von einem Mädchen oder Jungen sexuell befriedigen.
    4. Eine Person zwingt ein Mädchen oder Jungen zu sexuellen Handlungen an sich selbst.
    5. Eine Person vergewaltigt ein Mädchen oder einen Jungen vaginal, oral oder anal. Das heißt: Eine Person dringt mit dem Penis oder einem Gegenstand in eine Körperöffnung des Mädchens oder Jungen ein. Damit meinen wir Körperöffnungen wie Scheide, Po oder Mund. Medizinische Untersuchungen sind keine Vergewaltigungen, wenn sie für die Behandlung des Mädchens oder Jungen notwendig sind.

    Vergewaltigungen sind eine sehr schwere Form von sexuellem Missbrauch.

    Es gibt auch sexuellen Missbrauch, bei dem der Körper des Kindes nicht direkt einbezogen wird:

    1. Eine Person zieht sich vor einem Kind nackt aus und zeigt sich sexuell erregt.
    2. Eine Person befriedigt sich sexuell vor einem Kind.
    3. Eine Person zeigt einem Mädchen oder Jungen Bilder oder Videos von sexuellen Handlungen.

    Es gibt auch sexuellen Missbrauch mittels digitaler Medien. Welche Handlungen dazu gehören, erklären wir eine Frage weiter unten.

  • Was ist sexueller Missbrauch mittels digitaler Medien?

    Immer mehr Täter und Täterinnen nutzen digitale Medien, um Kinder sexuell zu missbrauchen. Wir sprechen dann von sexuellem Missbrauch mittels digitaler Medien oder auch von sexuellem Missbrauch mit digitalem Medieneinsatz.

    Sexueller Missbrauch mittels digitaler Medien kann auf sehr unterschiedliche Art und Weise stattfinden. Beispiele dafür sind:

    1. Eine Person fotografiert oder filmt sexuelle Handlungen mit Kindern oder Jugendlichen. Wir sprechen von Missbrauchs-Abbildungen. Einige Menschen sagen dazu auch: Kinder-Pornografie.
    2. Eine Person verbreitet Missbrauchs-Abbildungen von Kindern im Internet.
    3. Eine Person nutzt das Internet, um auf ein Kind oder einen Jugendlichen einzuwirken, mit dem Ziel das Kind oder den Jugendlichen sexuell zu missbrauchen.
    4. Eine Person verschickt mittels des Internets sexuell freizügige Fotos oder Videos ohne Einverständnis des oder der Abgebildeten. Oder die Person droht an, die Bilder zu verschicken und erpresst die betroffene Person damit.
    5. Eine Person schickt Kindern oder Jugendlichen gegen deren Willen pornografische Bilder oder Videos zu.

    Weitere Informationen und Beispiele zu diesem Thema sowie Hinweise auf Unterstützung und Hilfe finden Sie hier.

  • Werden auch Jugendliche sexuell missbraucht?

    Auch Jugendliche erleben sexuelle Gewalt. Von sexuellem Missbrauch sprechen wir, wenn ein sogenanntes Obhuts-Verhältnis zum Täter oder zur Täterin besteht. Das heißt konkret: Die betroffenen Jugendlichen sind dem Täter oder der Täterin zur Erziehung anvertraut und abhängig von dieser Person. Ein Obhuts-Verhältnis besteht zum Beispiel zwischen (Stief-)Eltern und Kindern, Großeltern und Enkeln, Lehrkräften und Schüler*innen. Sexuelle Gewalt findet nicht immer in einem Obhuts-Verhältnis statt. Viele Jugendliche erfahren sexuelle Übergriffe zum Beispiel auch durch andere Jugendliche oder Erwachsene. Auch das Internet ist ein Ort für sexuelle Übergriffe.

    Alle Jugendlichen, die sexuelle Gewalt oder sexuellen Missbrauch erfahren, können sich an unser Hilfetelefon wenden.

  • Wer sind die Täter und Täterinnen?

    Häufig sind es Männer und männliche Jugendliche, die Mädchen und Jungen sexuell missbrauchen. Es gibt aber auch Frauen und weibliche Jugendliche, die sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen ausüben.

    Sexueller Missbrauch kann überall stattfinden, wo sich Mädchen und Jungen aufhalten. Meistens kennen die Betroffenen den Täter oder die Täterin sehr gut. Oft sind es Personen aus der eigenen Familie oder Bekannte der Eltern. Aber auch Schulen, Kinderheime, Kindertagesstätten, Sportvereine, Kirchengemeinden oder andere Einrichtungen können Tatorte sein. Viele Täter nehmen im Internet Kontakt zu Mädchen und Jungen auf.

  • Warum ist es schwer für Mädchen und Jungen, von den Übergriffen zu erzählen?

    Die meisten Mädchen und Jungen schämen sich, weil der Missbrauch mit Sexualität zu tun hat. Es fällt ihnen schwer, über das zu sprechen, was ihnen passiert.

    Oft sagt ihnen der Täter oder die Täterin auch, dass sie selbst Schuld an dem Missbrauch sind. Aber das stimmt natürlich nicht. Niemals hat ein Mädchen oder Junge Schuld an sexuellen Handlungen durch Erwachsene oder Jugendliche. Die Täter und Täterinnen wollen, dass die Mädchen oder Jungen sich schuldig fühlen. Sie sagen Sätze wie: Du hast dich ja nicht gewehrt. Du hast damit angefangen. Du wolltest das. Das machen die Täter und Täterinnen mit Absicht. Es ist ihre Strategie, damit das Opfer nicht spricht. Klar ist aber: Schuld hat immer der Täter oder die Täterin – ganz egal, wie das Kind sich verhalten hat.

    Viele Mädchen und Jungen haben Angst, dass ihnen niemand glaubt. Häufig verbieten die Täter und Täterinnen ihnen, jemandem davon zu erzählen. Sie behaupten, das sei ein Geheimnis. Sie drohen den Mädchen und Jungen. Sie sagen: Es passiert etwas Schlimmes, wenn du einer Person unser Geheimnis erzählst. Das macht den Mädchen und Jungen noch mehr Angst und vergrößert ihre Schuldgefühle.

  • Welche Folgen hat sexueller Missbrauch?

    Die Folgen von sexuellem Missbrauch sind sehr unterschiedlich. Sie hängen unter anderem davon ab,

    1. welche sexuellen Handlungen dem Mädchen oder Jungen angetan werden.
    2. wie häufig der sexuelle Missbrauch stattfindet.
    3. wie eng die Beziehung zum Täter oder der Täterin ist und
    4. ob das Kind Menschen in seiner Nähe hat, die ihm beistehen.

    Viele Betroffene leiden ihr ganzes Leben lang unter den Folgen der Gewalt. Sie entwickeln körperliche oder psychische Störungen und Krankheiten. Häufig kommen auch finanzielle Probleme hinzu.

    Für andere sind die Folgen weniger belastend. Sie haben eine geeignete Unterstützung für sich gefunden.

    Aus der Forschung und aus Berichten von Betroffenen wissen wir:

    Ein Kind hat gute Chancen, sexuellen Missbrauch zu verarbeiten,

    1. wenn es früh Hilfe und Trost erhält und
    2. wenn es erlebt, dass ihm geglaubt wird.

  • Woran erkenne ich, dass ein Mädchen oder Junge sexuell missbraucht wird?

    Es ist schwer, sexuellen Missbrauch zu erkennen. Nur selten hat ein Mädchen oder Junge Verletzungen, die eindeutig auf sexuellen Missbrauch hinweisen. Es gibt auch keine anderen Merkmale, die in jedem Fall auftreten und eindeutige Hinweise sind.

    Wenn sich ein Mädchen oder Junge jedoch stark verändert, sollten Erwachsene immer aufmerksam sein.

    Einige werden sehr ängstlich oder auch aggressiv.

    Andere können sich nur noch schwer konzentrieren und bekommen Probleme in der Schule.

    Wieder andere versuchen, alles richtig zu machen und verhalten sich sehr unauffällig. Häufig ziehen sich betroffene Mädchen und Jungen von anderen zurück.

    Viele betroffene Mädchen und Jungen werden auch krank. Sie leiden zum Beispiel an Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen. Sie schlafen nur noch schlecht oder entwickeln Hauterkrankungen.

    Manche Mädchen und Jungen fügen sich selbst Schmerzen zu und verletzen sich.

    Andere essen nur noch sehr wenig oder viel zu viel.

    Manche nehmen auch Drogen, trinken Alkohol oder entwickeln andere Süchte.

    Auch sexualisiertes Verhalten von Mädchen und Jungen kann auf sexuellen Missbrauch hinweisen.

    Sexualisiert ist ein Verhalten dann, wenn es nicht zum Alter des Kindes passt.

    Andere erleben das Verhalten als grenzüberschreitend.

    Jede dieser Auffälligkeiten kann auch andere Ursachen haben.

    Wichtig ist, dass Erwachsene Veränderungen von Mädchen und Jungen ernst nehmen und sie darauf ansprechen.

  • Wie gehe ich mit einem Kind um, wenn mir eine Veränderung auffällt oder ich sexuellen Missbrauch vermute?

    Versuchen Sie, Vertrauen zu dem Kind aufzubauen. Nehmen Sie sich dafür Zeit. Unternehmen Sie etwas mit dem Kind und fragen Sie, wie es dem Kind geht. Bieten Sie dem Kind an, bei Problemen mit Ihnen zu sprechen. Sie können dem Kind auch sagen, dass Sie sich Sorgen machen – zum Beispiel, weil es traurig aussieht oder sich verändert hat. Geben Sie dem Kind Zeit, von sich aus zu erzählen. Drängen Sie das Kind nicht.

    Versuchen Sie, keine geschlossenen Fragen zu stellen. Geschlossene Fragen sind solche, auf die das Kind mit Ja oder Nein antworten kann. Eine geschlossene Frage wäre zum Beispiel: „Hat die Person dir weh getan?“. Solche Fragen führen häufig dazu, dass das Kind mal so und mal so antwortet und Sie als helfende Person eher noch unsicherer werden. Es gibt darüber hinaus noch andere Probleme mit geschlossenen Fragen. Mit einer geschlossenen Frage beeinflussen Sie das Kind. Das heißt: Sie geben mit einer geschlossenen Frage bereits eine Richtung vor. Sie fragen zum Beispiel: „Ist das in der Schule passiert?“ anstatt zu fragen „Wo ist das passiert?“. Für eventuelle Gerichtsverfahren ist es jedoch sehr wichtig, so wenig wie möglich Einfluss auf die Erinnerung des Kindes zu nehmen.

    Stellen Sie dem Kind offene Fragen, wenn Sie ins Gespräch kommen wollen. Offene Fragen helfen dem Kind, mit eigenen Worten von einer Situation zu erzählen.

    Offene Fragen sind zum Beispiel:

    1. Wie geht es dir?
    2. Was habt ihr zusammen gemacht?
    3. Was ist dann passiert?
    4. Was war das für eine Person? Wie sah die Person aus?
    5. Wie ging es dann weiter?

    Auch für offene Fragen gilt:

    Drängen Sie das Kind nicht über etwas zu sprechen, wenn es das nicht will. Kinder geraten dadurch unter Druck. Viele erzählen dann nichts mehr und schweigen über den Missbrauch. Oder sie sagen das, was die Erwachsenen hören wollen und entsprechen damit den Erwartungen. Das kann für eine Strafanzeige sehr problematisch sein.

  • Wie gehe ich mit einem möglichen Täter oder einer möglichen Täterin um?

    Diese Frage beschäftigt sehr viele Menschen, die bei uns anrufen. Besonders belastend ist die Situation, wenn die Ratsuchenden den möglichen Täter oder die mögliche Täterin gut kennen.

    In jedem Fall gilt: Bleiben Sie ruhig und sprechen Sie die Person nicht sofort auf den Verdacht an. Bevor ein möglicher Täter oder eine mögliche Täterin von dem Verdacht erfährt, sollte das Kind geschützt sein vor dieser Person. Sonst besteht das hohe Risiko, dass der Täter oder die Täterin das Kind unter Druck setzt und damit zum Schweigen bringt. Das gilt leider auch für Menschen aus der eigenen Familie, für Freundinnen und Freunde oder Bekannte, für Kolleginnen oder Kollegen sowie für alle anderen Menschen aus dem eigenen sozialen Umfeld.

    Wenn Eltern ihre Kinder missbrauchen, ist es besonders schwer, die betroffenen Mädchen und Jungen zu schützen. Sprechen Sie die Eltern nicht auf Ihren Verdacht an, sondern stimmen Sie das weitere Vorgehen mit einer Fachberatungsstelle ab. Bei sexuellem Missbrauch innerhalb der Familie müssen zum richtigen Zeitpunkt auch das Jugendamt und das Familiengericht eingeschaltet werden. Nur Richter und Richterinnen können Eltern Rechte entziehen und damit die Kinder schützen.

  • Ist sexueller Missbrauch strafbar?

    Ja. Wer Kinder oder Jugendliche sexuell missbraucht, macht sich strafbar. Nähere Informationen zu diesem Thema finden Sie auch im Internet auf der Seite des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs unter folgendem Link.

  • Muss ich anzeigen, wenn ich einen Verdacht habe?

    Nein. Niemand muss einen Verdacht bei der Polizei anzeigen. Ob es zu einer Anzeige kommt, sollten das betroffene Kind beziehungsweise seine Sorgeberechtigten mitentscheiden.

    Bei einem Verdacht auf sexuellen Missbrauch ist es vor allem wichtig, dass Sie Ruhe bewahren und sich professionelle Unterstützung suchen. Gehen Sie mit Bedacht vor. Wenn Sie zu schnell etwas unternehmen, kann das die Situation des Mädchens oder Jungen verschlimmern:

    1. Wenn Sie den Täter oder die Täterin über Ihren Verdacht informieren, kann er oder sie das Kind zum Beispiel unter Druck setzen.
    2. Wenn Sie die geplanten Schritte nicht mit dem betroffenen Kind besprechen, kann es aus Angst vor dem Täter oder der Täterin seine Aussagen wieder zurücknehmen.

    Wichtig ist, dass Sie alle Beobachtungen und Aussagen des Mädchens oder Jungen schriftlich festhalten und zusammen mit einer Fachberatungsstelle vor Ort das weitere Vorgehen besprechen.

  • Wo finde ich Unterstützung?

    Am besten wenden Sie sich an eine Fachberatungsstelle vor Ort, die auf das Thema sexueller Missbrauch spezialisiert ist. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter solcher Fachberatungsstellen kennen sich sehr gut aus und begleiten Sie bei allen weiteren Schritten. Adressen von Fachberatungsstellen in Ihrer Nähe finden Sie über das Hilfeportal Sexueller Missbrauch (www.hilfeportal-missbrauch.de).

    Um die Situation zu sortieren und eine erste Einschätzung zu bekommen, können Sie sich vertrauensvoll an unser Hilfetelefon Sexueller Missbrauch wenden (www.hilfetelefon-missbrauch.de). Die Fachkräfte am Telefon hören Ihnen zu, geben Tipps und nennen Ihnen passende Anlaufstellen in Ihrer Nähe.

    Informationen für Fachkräfte zur Einführung von Schutzkonzepten gegen sexuelle Gewalt an Kindern sowie den Umgang mit digitalen Medien und sexueller Gewalt finden Sie unter www.kein-raum-fuer-missbrauch.de, www.schule-gegen-sexuelle-gewalt.de und www.wissen-hilft-schützen.de.

    Informationen speziell für ältere Kinder und Jugendliche bei Problemen im Netz (z. B. bei Cybermobbing, Cybergrooming, WhatsApp-Stress) finden sich unter www.save-me-online.de (Online-Angebot des Hilfetelefons für ältere Kinder) und unter www.juuuport.de (Hilfe von Jugendlichen für Jugendliche).

    Weitere Informationen finden Sie unter www.beauftragter-missbrauch.de.

Diese Initiative wird u. a. unterstützt von

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